Verschüttete Gefühle finden

Hospiz-Dienst Schwäbisch Hall
Haller Hospizdienst feiert sein 25-jähriges Bestehen

Kommunikation  Auf der Versammlung erklärt ein Schweizer Arzt, warum „Idiolektik“ sinnvoll ist. Von Sonja Alexa Schmitz

Die Warnung kommt gleich am Anfang. Aber auch das Schmackhaft machen: „Die Methode ist leicht erlernbar, dennoch fällt sie schwer. Aber am Ende setzt sie auf beiden Seiten beglückende Momente frei.“ Hans-Herrmann Ehrat, ein praktischer Arzt aus der Schweiz, ist zu Besuch im Theatersaal.

Der Schwäbisch Haller Hospizdienst hat ihn regelmäßig zu Gast, um den Mitgliedern neue Impulse zu geben. Bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen geht es um Kommunikation.

„Idiolektik“ ist das Zauberwort für die Gesprächsführung. Diese gründet sich auf drei Annahmen: Jeder Mensch ist einzigartig, spricht seine eigene Sprache und hat Gründe, so zu sein, wie er ist – seine Krankheiten eingeschlossen. Leicht ist diese Art der Kommunikation, da sie für den Interviewer hauptsächlich daraus besteht, auf Schlüsselwörter zu achten und Fragen zu stellen.

Ein Beispiel: Einer Patientin geht es schlecht. „Beschreiben Sie, was Sie fühlen mit einem Bild“, fordert der Arzt. Einen Strudel sehe sie. „Wo ist dieser Strudel?“ „In einem Bach.“ „Von wo aus sehen sie diesen Bach?“, fragt Ehrat und gibt zu, in diesem Moment gedacht zu haben, sie sehe ihn von ihrem Haus aus. „Von einem Stein im Bach aus, auf dem ich sitze“, antwortet die Patientin. Das sei die Falle, in die man immer wieder tappe:“ Wir halten das, was wir wahrnehmen für das Eigene. Dabei sollen wir nur Resonanzkörper sein.“ Diese puristische Gesprächsführung mit kurzen, einfachen Fragen lässt dem Gesprächspartner Raum, um verschüttete Gefühle zu entdecken.

Der Arzt erklärt das anschaulich mit einer Zeichnung des Hirns. Wenn der Bereich für das logische Denken überfordert ist, rückt der Hirnbereich, der für die Gefühle zuständig ist, nach. Das muss man „üben, üben, üben, sagt Barbara Kaspar, Vorstandsmitglied des Schwäbisch Haller Hospizvereins, vor den rund 50 Zuhörern.


Ziel ist ein stationäres Hospiz

Die Kernaufgabe des Hospizdienstes ist es, den Menschen das Sterben zu Hause zu ermöglichen. Die ausgebildeten Ehrenamtlichen begleiten Kranke und ihre Angehörigen in der Sterbephase. Im vergangenen Jahr haben 34 Ehrenamtliche 54 Menschen begleitet. Die häufigsten Krankheiten waren Tumor, Alterserkrankungen und Morbus Alzheimer. Die Begleitdauer liegt zwischen einer Stunde und knapp einem Jahr. Das Ziel des Vereins, ein stationäres Hospiz, ist noch in weiter Ferne. Aber das Projekt sei nun unter Federführung des Landkreises. Sozialdezernent Thomas Haag bestätigt, dass Bedarf bestehe und beschäftige sich mit den Finanzierungsmöglichkeiten. Sasch

aus: Haller Tagblatt am Mittwoch, den 24.Mai 2017