Wir müssen endlich etwas machen

Hospiz-Dienst Schwäbisch Hall

Bündnis   Akteure aus der Pflege und ein Angehöriger einer Altenheimbewohnerin bringen einen runden Tisch Pflegenetz Landkreis Schwäbisch Hall auf den Weg. Sie engagieren sich für eine humanere Pflege.

Von Marcus Haas

Wir müssen endlich etwas machen“, das hat sich Anna-Gela Henkel-Kochendörfer nach einer Podiumsdiskussion des Haller Hospiz-Dienstes zum Thema Pflege im November 2016 gedacht. Mal wieder wurden Missstände in der Pflege deutlich, auch in Pflegeheimen im Landkreis Schwäbisch Hall. Pflegekritiker Claus Fussek betonte, dass Pflegekräfte sowie Angehörige aufstehen und ihre Rechte einfordern müssten.

Nun hat sich ein Kreis gebildet, um einen runden Tisch Pflegenetz Landkreis Schwäbisch Hall auf den Weg zu bringen. Es geht um Sensibilisierung aller in der Pflege Beteiligter, um wechselseitiges Verständnis und Kenntnis der jeweiligen Probleme, um mehr Transparenz, um die Schnittstellen. „Wir machen es ehrenamtlich“, sagt Henkel-Kochendörfer zum Thema Finanzierung.

Pflegende Angehörige einbinden

Mit dabei: Margarete Greiner. Die Geschäftsführerin der Diak-Altenhilfe will die Sicht nicht auf Pflegeheime verengen, sondern das Pflegenetz soll sehr breit aus vielen Bereichen des Gesundheitswesens angelegt und aufgebaut werden, sich für Pflegebedürftige aus allen Altersgruppen, mit unterschiedlichsten Erkrankungen, im häuslichen Bereich, im Krankenhaus, in Pflegeheimen starkmachen. Wünschenswert wäre, dass sowohl Betroffene als auch pflegende Angehörige noch stärker eingebunden werden. Die Mutter von Professor Dr. Volker Aurich ist in einem Haller Pflegeheim. Aurich macht beim runden Tisch mit, sieht ihn als Chance, wenn es beispielsweise um Infos über Beratungsmöglichkeiten bei Pflegefällen geht, die oft unerwartet eintreten, wie er es selbst erlebt habe. Aurich würde es für hilfreich halten, wenn sich die Pflegeheime in der Umgebung ab und zu in irgendeinem Rahmen kurz vorstellen könnten, mit ihren Besonderheiten und einigen Daten wie: Wie viel Pflegepersonal für wie viele Bewohner? Wie ist die Besetzung nachts? Wie ist der Hospizdienst einbezogen?

Die Initiatoren formulieren ihre Ziele wie folgt: „Die Förderung, Organisation und Umsetzung einer humanen Pflege. Insbesondere soll eine bewusste Wahrnehmung der Belange pflegebedürftiger Menschen und deren Angehöriger in der Gesellschaft bewirkt werden. In Folge dessen wünschen wir uns eine Besserung der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen von Pflege insgesamt.“ Humane Pflege werde vor allem dann möglich, wenn mehr Zeit für die Pflegebedürftigen da sei und dort gepflegt werde, wo es die Bedürftigen möchten, betont Christine Schönfeld.

Der Überstundenberg wächst

Die Palliativfachkraft und Verfahrenspflegerin macht auf das große Problem Fachkräftemangel aufmerksam. Der Überstundenberg der Pflegekräfte wachse, den Pflegedienstleitungen bleibe oft nichts anderes übrig, als den Druck weiterzugeben. „Auch im Landkreis Schwäbisch Hall gehen viele Pflegekräfte auf dem Zahnfleisch. Alle wissen um die Missstände, Träger sowie politisch Verantwortliche, aber es verändert sich nichts“, sagt Karl-Heinz Pastoors. Es passiere auch im Landkreis Schwäbisch Hall, dass Pflegekräfte keine Zeit für den Toilettengang finden, keine Zeit haben, um Sterbende zu begleiten, kein Hospizdienst geholt wird. Gesetzliche Veränderungen wie das Pflegestärkungsgesetz II mit fünf Pflegegraden statt drei Pflegestufen gingen zwar in die richtige Richtung, änderten aber nichts am Personalmangel, betont der Vorsitzende des Kreisseniorenrats. Er fordert verbindliche Personalschlüssel und eine andere Verteilung, eine Entkopplung der Pflegekosten. Für Kost und Logis sollten die Pflegebürftigen zahlen, den Rest die Kassen übernehmen.

Wie geht es weiter?

Was sind die nächsten Schritte? Welche Ideen gibt es? Alle drei Monate solle es Veranstaltungen geben. Anna-Gela Henkel-Kochendörfer nennt Podiumsdiskussionen und Vorträge rund ums Thema Pflege, die Entwicklung eines Positionspapiers für den Landkreis Schwäbisch Hall, die Organisation von Weiterbildungen und Workshops für Fachkräfte, die öffentliche Vorstellung der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland. Henkel-Kochendörfer will den Landkreis beziehungsweise Landrat Gerhard Bauer mit ins Boot holen, der die Charta unterzeichnen könne. Dadurch vergrößere sich die Chance, dass bei Themen wie spezialisierte ambulante Palliativersorgung und stationäres Hospiz im Landkreis Schwäbisch Hall mehr Dynamik reinkomme, gemeinsam noch zielorientierter nach Lösungen gesucht werde.

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Haller Tageblatt (Ausgabe 211, 12. September 2017, Seite 18).