Zum einsamen Sterben verdammt

Lesung

Pressemitteilung Im Haller Tagblatt vom 04.10.2021

Die Autorin und Moderatorin Thea Dorn liest in der Kunsthalle in Schwäbisch Hall aus ihrem Briefroman „Trost“. Dieser thematisiert auch die Coronazeit. Von Maja Peters

Die Pandemie habe auch ihr Leben auf den Kopf gestellt, betont Thea Dorn im Vorfeld der Lesung im Adolf-Würth-Saal auf Einladung des Hospizdiensts. „Mein Kalender war voll. Und dann blank“, berichtet sie von abgesagten öffentlichen Auftritten. „Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich ständig Nachrichten konsumierte, Inzidenzen verglich“, erinnert sie sich gut. Zugleich erfuhr sie von schlimmen Schicksalen aus dem Bekanntenkreis. „Menschen wurden zum einsamen Sterben in den Krankenhäusern verdammt.“ Sie selbst habe ihre Mutter vor 13 Jahren beim Sterben begleitet und wolle diese Erfahrung nicht missen. „Physische Nähe ist nicht ersetzbar durch Technologie“, unterstreicht sie. Ihr Resümee: „Das war und ist ein erheblicher Einschnitt. Das ist eine elementare Verletzung der Menschlichkeit.“

In der Krise

Schnell sei ihr 2020 klar geworden, dass sie darüber schreiben wolle. Dabei setzte sie sich mit philosophischen Fragen auseinander, las unter anderem auf Anraten ihres Lektors Senecas „Trostbriefe“. „Je mehr ich las, umso wütender wurde ich. Das waren vor allem große Ermahnungen zur Haltung, zum Durchstehen.“ Heraus kam der Brief-Postkartenroman „Trost. Briefe an Max“, der 2021 im Penguin Verlag erschienen ist.

Die Auseinandersetzungen mit Gefühlen lässt sie ihre Protagonistin Johanna auch erleben. Diese erhält eine Postkarte ihres ehemaligen Philosophieprofessors Max. „Liebe Freundin, wie geht es Dir?“, steht dort und erreicht Johanna in der Krise. Deren 80-jährige Mutter reist trotz der Warnungen leichtsinnig durch Italien und starb nach ihrer Rückkehr an Corona – allein im Krankenhaus. Die Tochter darf aus Infektionsschutzgründen nicht zu ihr. „Ausgerechnet die Alten, die sogenannt „Vulnerablen“, hatten das Herz, mich zu umarmen“, schreibt sie über die Beerdigung, die Einschränkungen durch Corona-Verordnungen und die Reaktionen der Umwelt. Es kommt zum Skandal durch „grobfahrlässiges Verhalten“ ohne Mindestabstand und mit mehr als einem Hausstand. Johanna ist trostlos, verzweifelt und zugleich voller Zorn, vermisst ihre Mutter, klagt. In langen Briefen, angeregt durch provozierende philosophische Kurzfragen, entwickelt sich die Geschichte.

„Sie ist religiös unmusikalisch“, ergänzt Thea Dorn, habe nicht die Zuversicht, in Gottes Hand zu fallen. „Was gibt im existentiellen Sinne heutzutage noch Trost? Was gibt uns Zuversicht?“, habe sie sich oft gefragt angesichts des Verlassens der Religionen. „Eine Impfung gegen Corona ist nur ein Sicherungssystem von außen“, unterstreicht Dorn und kritisiert die „Abwanderung der Wissenschaft in die Pseudoreligion“. Jeder Mensch sehne sich nach Zuversicht und Urvertrauen. „Das ist die große Frage unserer Zeit“, so die Autorin und Philosophin.

Wie barbarisch?

Das subjektive Leiden der Protagonistin erlebten viele im Lockdown: Unsicherheit, Einsamkeit, Verbote, Einschränkungen. „Die schlimmste Seuche unserer Tage ist die Angst“, habe ihre Mutter noch gesagt, lässt Dorn ihre Protagonistin sich erinnern. „Sie haben mich nicht zu ihr gelassen, obwohl meine Mutter starb. Wie barbarisch darf ein Staat sein“, klagt Johanna. Philosophiert über den „tragischen Konflikt“, schimpft ihr Wissen auch „Worthülsen“. „Liebe Johanna, bist Du bei Trost“, fragt Max nach, „Da ist eine Doppeldeutigkeit dahinter, die sie erst nach dem ersten Zürnen erkennt“, lächelt die Autorin. Denn wenn man verzweifelt sei, wolle man getröstet werden. „Dennoch hat in unserer Sprache Trost einen schweren Stand“, philosophiert sie über Begriffe wie „Trostpreis2 oder „Trostpflaster“. „Ich kann für mich sagen, dass die Arbeit an diesem Buch für mich das Tröstlichste in diesem Lockdown war“, resümiert Thea Dorn. Sie habe fiktiv durch ihren schlimmsten Alptraum gefunden. Man müsse mit dem Furchtbaren seinen Frieden machen.

„Max erinnert mich an unser Tun“, betont eine Ehrenamtliche vom Hospizdienst. „Uns kann man auch alles sagen. Das allein tröstet.“ Dorn stimmt zu und sagt:“ Ich bewundere Ihre Arbeit sehr.“

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