Sterbebegleitung. Der ambulante Hospiz-Dienst und das Stationäre Hospiz Schwäbisch Hall ergänzen sich in der Betreuung von Menschen, die am Lebensende stehen. Von Corinna Janßen
Der ambulante Hospiz-Dienst Schwäbisch Hall und das Stationäre Hospiz Schwäbisch Hall arbeiten Hand in Hand. Mit ihren unterschiedlichen Diensten verfolgen sie dasselbe Ziel: Menschen, die sich in der letzten Lebensphase befinden, und ihre Angehörigen individuell und liebevoll zu unterstützen, um ein würdevolles Leben bis zum Ende zu ermöglichen. Regina Hocher, eine der drei Vorsitzenden, und Koordinatorin Maike Schmidt vom Hospiz-Dienst sowie Einrichtungsleiter Oliver Kübler vom Stationären Hospiz sprechen im Interview über ihre Arbeit und das breite Angebot.
Seit wann arbeitet das Stationäre Hospiz mit dem Hospiz-Dienst zusammen?
Oliver Kübler: Das Stationäre Hospiz wurde Anfang Oktober 2024 eröffnet und seit Februar arbeiten wir eng zusammen.
Ihnen ist aufgefallen, dass Menschen den ambulanten Dienst nicht vom stationären Dienst unterscheiden können. Wie kam es dazu?
Kübler: Beim Tag des Hospizes im Oktober haben Frau Hocher, Frau Schmidt und ich in Gesprächen mit Interessierten vermehrt festgestellt, dass sie Schwierigkeiten hatten, zu unterscheiden, was ambulanter Hospiz-Dienst und stationäres Hospiz bedeuten.
Sie sehen Aufklärungsbedarf:
Regina Hocher: Genau. Wenn wir sagen, wir sind Sterbebegleitung oder im Hospiz-Dienst tätig, verbinden Menschen unser Ehrenamt häufig mit dem Stationären Hospiz.
Wann dürfen sich denn betroffene Menschen an den ambulanten Hospiz-Dienst wenden?
Meike Schmidt: Die Frage ist nicht einfach, weil man nicht immer abschätzen kann, wann es denn so weit ist, wann darf ich mir Hilfe holen. Ich sage immer: jederzeit!
Welches Angebot bieten Sie in dieser Phase an?
Schmidt: Wir können ein unverbindliches Gespräch anbieten und beraten, ob der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sodass wir mit einsteigen.
Was raten Sie?
Schmidt: Wenn man das Gefühl hat, ich brauche irgendetwas im Moment, dann darf man sich gerne an uns wenden. Generell sind wir für schwerstkranke Menschen da, die am Ende ihrer Lebensphase sind, aber wie lange das genau dauert, weiß niemand.
Brauchen Betroffene eine ärztliche Verordnung?
Schmidt: Nein, das ist das Tolle bei uns: Wir brauchen nichts, keine Verordnung, keine Notwendigkeitsbescheinigung wie im Stationären Hospiz. Unsere Dienste kosten auch nichts.
Wer ist im ambulanten Hospiz-Dienst für die erste Kontaktaufnahme zuständig?
Schmidt: Das sind wir Koordinatorinnen. Wir machen einen Termin mit dem Betroffenen oder den Angehörigen aus, wir sprechen miteinander, damit wir uns gegenseitig kennenlernen und wir erläutern dann, wie wir unterstützen können. Wünsche des Schwerstkranken werden besprochen, dann suchen wir einen Ehrenamtlichen für die Sterbebegleitung. Die Besonderheit im ambulanten Bereich ist: Wir gehen zu den Menschen, im stationären Bereich gehen die Menschen ins Hospiz. Wir gehen nach Hause, ins Pflegeheim, ins Krankenhaus und in Einrichtungen der Behindertenhilfe.
In welchem Radius um Schwäbisch Hall arbeiten die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes?
Hocher: Im Altkreis Schwäbisch Hall, also bis Ilshofen, Mainhardt, Braunsbach und Waldenburg.
Wie oft besuchen die Sterbebegleiter die Betroffenen?
Schmidt: Am Anfang fangen wir in der Regel lockerer an, sodass wir einmal die Woche kommen. Wenn die Bedürfnisse steigen und wir bemerken, dass die Familie mehr Unterstützung benötigt, kann es auch sein, dass wir jeden Tag vor Ort sind.
Kann das ein einzelner Ehrenamtlicher überhaupt leisten?
Schmidt: In der Regel ist es dann so, dass mehrere Sterbebegleiter in der Familie sind.
Ist es für die Familien nicht belastend, wenn verschiedene Personen kommen?
Schmidt: Für die Familie ist es in der Regel in Ordnung, weil sie einfach Hilfe benötigen. Oft ist es sogar von Vorteil, da sich die Ehrenamtlichen gegenseitig ergänzen.
Pflegen dürfen die Sterbebegleiter aber nicht?
Schmidt: Nein, die Betreuung erfolgt ausschließlich psychosozial. Die Ehrenamtlichen sind da für Gespräche, für Beratungen, für Spaziergänge, zum Vorsingen oder Vorlesen.
Hocher: Für alles, was der Bedürftige gerade braucht und was er sich wünscht.
Schmidt: Aber natürlich auch, was sich die Angehörigen wünschen.
Werden die Angehörigen auch nach dem Tod betreut?
Hocher: Ja, wir bieten auch Trauerbegleitungen an. Aber Trauer beginnt ja auch schon vorher. Wenn jemand so krank ist, dass er auf einen letzten Weg geht, können sich die Angehörigen schon im Vorfeld mit unseren Trauerbegleitern in Verbindung setzen.
Welche Ausbildungen haben die Ehrenamtlichen, die beim ambulanten Hospiz-Dienst tätig sind?
Hocher: Unsere 60 Ehrenamtlichen sind ausgebildet und haben Schulungen in der Sterbebegleitung und/oder in der Trauerbegleitung gemacht. Die Ausbildungen werden bei uns im Haus angeboten. Der nächste Kurs beginnt Ende 2026 und wir freuen uns über jeden Teilnehmenden.
Wo ist denn nun die Schnittstelle zwischen Hospiz-Dienst und stationären Hospiz?
Hocher: Seit Februar in diesen Jahres sind wir dort mit unserem Dienst im Einsatz.
Kübler: Wir erstellen bei uns für die ausgebildeten Ehrenamtlichen des Hospiz-Dienstes einen Dienstplan. Sie kommen werktags in zwei Schichten für je drei Stunden. Es gibt Sterbebegleiter, die uns bei der Betreuung der Gäste unterstützen, und auch Ehrenamtliche, die uns bei anderen Tätigkeiten unterstützen, wie beispielsweise in der Küche.
Gibt es auch Ehrenamtliche, die nicht vom Hospiz-Dienst kommen?
Kübler: Ja. Wir haben auch einige Ehrenamtliche. Diese übernehmen verschiedene Tätigkeiten, die nichts mit dem Gast zu tun haben. Sie gehen zum Beispiel für uns einkaufen.
Wie trennen Sie das?
Kübler: Diejenigen, die ehrenamtlich tätig werden wollen am Gast im Haus, verweisen wir immer an den Hospiz-Dienst. Ehrenamtliche ohne Ausbildung zur Sterbebegleitung sind bei uns nicht an der Betreuung der Gäste beteiligt. Aber wir freuen uns über jede Anfrage für eine ehrenamtliche Tätigkeit und beantworten diese individuell.
Frau Hocher, Sie sind im ambulanten und im stationären Bereich tätig. Wie unterscheidet sich die Arbeit?
Hocher: Ja, ich bin im Stationären Hospiz und mache die Begleitung im Pflegeheim oder zu Hause. Für einen selber im Ehrenamt ist das eine ganz unterschiedliche Arbeit. Wenn ich im Pflegeheim bin, bin ich allein nur für eine Person da. Es entsteht oft eine ganz intensive Beziehung. Im Stationären Hospiz bin ich für alle da.
Frau Schmidt, was ist denn für Sie als Koordinatorin in Ihrer Arbeit die größte Herausforderung?
Schmidt: Alle Parteien unter einen Hut zu bringen und bestmöglich für den Sterbenden und die Angehörigen zu agieren. Der Sterbende soll sich geborgen fühlen, den Halt und die Zuwendung bekommen, die er benötigt.
Hocher: Unsere Koordinatorinnen spüren ganz genau, wer von den Ehrenamtlichen zur betroffenen Familie passt.
Was tun Sie im Hospizdienst zum Wohle der Ehrenamtlichen?
Schmidt: Wir haben den Austausch mit unseren Koordinatorinnen, wenn ein Problem ganz akut ist. In der Regel können wir da helfen. Präventiv bieten wir Schulungen an für Resilienz, Achtsamkeit und natürlich auch Supervisionen.
Haben Sie neben der Begleitung der Betroffenen noch andere Angebote?
Hocher: Wir haben in unseren Räumlichkeiten im Brückenhof 6/1 einmal im Monat sonntags das Format „Begegnungen für Trauernde“. Dann bieten wir Einzelgespräche für Trauernde an. Auch haben wir einmal im Jahr ein festes Betreuungsangebot, wo sich eine Kleingruppe über ein halbes Jahr fest trifft und bestimmte Themen der Trauer gemeinsam bespricht. Zweimal im Jahr haben wir seit Kurzem ein Kreativangebot für trauernde Menschen.
Frau Hocher, Frau Schmidt, was ist Ihr Wunsch zu Weihnachten?
Hocher und Schmidt: Dass sich viele betroffene Familien an uns wenden und von uns Hilfe erhalten.
Und Ihr Wunsch, Herr Kübler?
Kübler: Menschen am Lebensende sollen sich nicht scheuen, ins Stationäre Hospiz zu kommen. Auch unser Angebot ist kostenlos. Wir werden alles tun, damit der Betroffene nicht nur in Frieden sterben, sondern in Würde bis zum Ende leben kann.
Spenden sind herzlich willkommen.
Um das breite Leistungsangebot finanziell stemmen zu können, sind der 1992 gegründete Hospiz-Dienst sowie das Stationäre Hospiz unter der Geschäftsleitung von Manuela Füller auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
